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Wie lerne ich endlich, meine Erfolge zu feiern?


Bild: Anastasiya Amraeva/dpa-tmn

Weiterbildung abgeschlossen, Halbmarathon gelaufen, Weisheitszahn-OP überstanden - alles Beispiele für Erfolge, auf die wir mächtig stolz sein dürfen. Oft verpufft das Hoch aber in Rekordzeit wieder - vielleicht sogar, bevor die Belohnungsblumen ihre Köpfe hängen lassen. Warum überfällt uns der Alltagsstress so schnell wieder? Und wie lernen wir einen nachhaltigeren Umgang mit Erfolgen?

Warum es sich lohnt, sich Erfolge bewusst zu machen

Eines ist klar: Positive Entwicklungen in unserem Leben wahrzunehmen und sie bewusst wertzuschätzen, zahlt sich aus.

«Wenn ich meine Erfolge feiere und mich selbst in einem positiven Licht sehe, verstärke ich mein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Genau das macht Menschen unheimlich stark», sagt die Sozialwissenschaftlerin Claudia Winkel, die als Expertin für gehirngerechte Kommunikation, Selbstwert und souveränes Auftreten unter anderem Führungskräfte berät. Oder anders gesagt: Mit jedem Eintrag in unserem persönlichen Erfolgsalbum verstärkt sich die Überzeugung, dass wir Gestaltungsspielraum haben - und dem Leben nicht einfach ausgeliefert sind.

Doch warum finden wir uns so schnell in der «Weiter im Text»-Spirale wieder? Das liegt auch daran, wie unser Gehirn gepolt ist. Sein größtes Ziel ist, unser Überleben zu sichern. «Daher scannen wir die Umgebung unbewusst ständig danach ab, ob es Zeichen dafür gibt, dass wir in Gefahr sind», sagt Claudia Winkel. Einfach mal innehalten und das Gute feiern - daran hat unser Hirn wenig Interesse. Hinzu kommt die leistungsorientierte Gesellschaft, in der wir leben, inklusive Redewendungen wie «Bloß nicht auf den Lorbeeren ausruhen!»

Wie wir Erfolge anders denken können

Was also tun? Erfolge kleiner zu definieren, ist ein guter Anfang. Denn längst nicht nur der große Meilenstein ist ein Gewinn für uns. Erfolge können viel, viel kleiner sein. Wer diese Perspektive zulässt, sieht auf einmal selbst in einem ganz durchschnittlichen Dienstag ein kleines Erfolgsfeuerwerk. «Vielleicht bin ich im Bus unterwegs gewesen und habe mit einem wildfremden Menschen ein Lächeln ausgetauscht und mich kurz verbunden gefühlt - ein Erfolg fürs Wohlbefinden», nennt Claudia Winkel ein Beispiel. 

Diese Mini-Erfolge muss man aber erst einmal wahrnehmen. Dafür rät Claudia Winkel, sich jeden Tag auf die Suche nach drei von ihnen zu machen - und sie zu notieren. «Abends die Bilder nochmal hochsteigen lassen: Was ist mir gelungen? Was war schön an diesem Tag? In welcher Situation, mit welchen Menschen?», nennt sie mögliche Reflexionsfragen.

Warum weniger Social-Media-Zeit mehr ist

Das bringt uns nicht nur in eine wohlige Stimmung, sondern bringt unserem Gehirn bei, den Fokus auf das Positive zu setzen. Dazu lernen wir: Es geht hier nicht nur um das Arbeitsleben. Erfolge warten in jedem Bereich unseres Lebens auf uns.

Wichtig, um die auch sehen zu können: nicht zu viel nach links und rechts bzw. auf den Smartphone-Screen schauen. Sieht man auf Instagram und Co., wie andere ihren Marathon feiern, fühlt sich der eigene Fünf-Kilometer-Lauf schnell ziemlich mickrig an. Claudia Winkels Tipp lautet daher: die Zeit in sozialen Medien begrenzen - und ganz bei sich selbst bleiben.


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(19.10.2026)